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Erich Fried

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Gedichte

Warum unsere Schule nach Erich Fried benannt wurde

Nach dem Tode Erich Frieds am 22.11.1988 ist dessen Name vorgeschlagen worden. Diese Initiative ist von nahezu allen Lehrkräften des Kollegiums in einem Antrag unterstützt worden. Auch die Schulgremien (Lehrerkonferenz, Schülerrat und Schulpflegschaft) haben über diesen Antrag beraten und ihm zugestimmt.

Seit dem 1.8.1990 ist die ehemalige "Gesamtschule an der Grabenstraße" durch Beschluss des Rates der Stadt Herne auf Antrag der Schulkonferenz umbenannt worden. Sie heißt seitdem:

Erich-Fried-Gesamtschule Herne
Städt. Gesamtschule für die Sekundarstufen I und II

Maßgeblich für unseren Antrag, die Schule nach Erich Fried zu benennen, sind dessen literarisches Werk und seine beispielhafte Biografie.

Als Summe seines literarischen Lebens können die rund 25 Gedichtbände gelten, die Fried als Erneuerer der politischen Lyrik in deutscher Sprache ausweisen. Gestalterisch angeregt wurde er von der klassischen lyrischen Moderne angelsächsischer Prägung, vor allem von Ezra Pound, Thomas S. Elliot und schließlich Dylan Thomas, dessen Hörspiel "Unter dem Milchwald" er ins Deutsche übersetzte. Diese Übersetzertätigkeit gipfelte in einer neuartigen schöpferischen Übersetzung der Hauptwerke Shakespeares ins Deutsche.

Erich Fried, der als Siebzehnjähriger nach England flüchtete, hatte schon in seiner Jugend mit dem Schreiben begonnen. Er blieb auch in englischer Sprachumgebung seiner deutschen Muttersprache treu.

Seine literarischen Arbeiten wurden zunächst wenig beachtet, erst seit dem Gedichtband "Und Vietnam und" (1966) geriet er in die öffentliche literarische und politische Diskussion. In rascher Folge erschienen nun weitere Gedichtbände, und auf einer Vielzahl von Lesungen stellte sich Fried seinem Publikum. Seine Gedichtbände erreichten für lyrische Werke beachtliche Auflagen, Tausende hörten ihn als eindrucksvollen aber auch bescheidenen Rezitator.

Erich Fried wurde der deutsche Lyriker mit großer öffentlicher Wirkung. Der Anerkennung durch das literarische Publikum folgte später, wenn nicht zu spät, jene durch den offiziellen Literaturbetrieb der Bundesrepublik Deutschland. Wenige Monate vor seinem Tod erhielt Fried, schon schwerkrank, den "Georg-Büchner-Preis" der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung.

Erich Fried, Wiener jüdischer Abstammung, verlor am 24. Mai 1938 seinen Vater, der von der Gestapo zu Tode geprügelt wurde, seine Mutter war zur gleichen Zeit in Haft. Er flüchtete aus seiner Heimatstadt Wien und erreichte am 5. August 1938 das Londoner Exil. Seine damalige Lebenssituation schilderte er später so: "Nach dem deutschen Einmarsch in Wien, 1938, der mich aus einem österreichischen Oberschüler in einen verfolgten Juden verwandelte, nahm ich mir vor, wenn ich lebend entkäme, zu tun, was mein Vater in den letzten zwölf Jahren seines Lebens vergeblich tun wollte – Schriftsteller zu werden. Ich wollte gegen Faschismus, Rassismus und Austreibung unschuldiger Menschen schreiben."

In diesen Sätzen werden die Motive erkennbar, die Frieds literarische und moralische Existenz bestimmten. Schon als jugendlicher Emigrant gründete Fried in London eine Selbsthilfegruppe jugendlicher Flüchtlinge. Ihnen gelang es, durch Beschaffung von Geld und Einreisepapieren siebzig Menschen nach England zu retten. Das ist ein Beispiel dafür, wie Fried gegen "Faschismus, Rassismus und Austreibung unschuldiger Menschen" nicht nur schrieb, sondern auch handelte. Der Kampf bedeutete unter jenen Umständen für ihn, Verfolgten zu helfen. In der Nachkriegszeit setzte Fried sein politisch-moralisches Engagement journalistisch fort - als Kommentator in der deutschen Abteilung der BBC.

Die Verbindung von praktischer Solidarität, öffentlicher Meinungsäußerung und dichterischer Aussage gab Fried nie auf, allerdings veränderte sich das Gewicht der verschiedenen Elemente im Laufe seines Lebens. Das kann auch den nachkommenden Generationen als Beispiel eines gelungenen Lebens gelten.

Erich Fried wurde deutlich, auch überdeutlich, wenn er Position bezog. Ein solcher Mensch kann nicht unumstritten bleiben. Aber stets versagte er sich den Dogmatismus der Rechthaberei, und selbst wenn ihn Gegner zum Feind erklärten, sah er in diesen Gegnern Menschen, auch Opfer der Verhältnisse im einzelnen Fall, nicht aber Feinde.

Der Name "Erich-Fried-Gesamtschule" soll nicht nur an einen bedeutenden Lyriker erinnern, sondern dieser Name soll ein Programm sein, auch ein pädagogisches. Die in Werk und Leben Frieds präsentierten Werte wie Frieden, Solidarität und Verständigung zu verwirklichen, ist gerade in einer Schule, in der Kinder und Jugendliche aus verschiedenen Ländern und Kulturen leben und lernen, eine aktuell und zukünftig zu verwirklichende pädagogische Aufgabe.

Auch hier hinein kann man alles mögliche schreiben.

Hier hinein kann man alles mögliche schreiben.