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"Kulturhauptpott" begeisterte das Publikum
Stehende Ovationen im ausverkauften Kulturrat

Der Bochumer Kulturrat ausverkauft. Zwei Stunden volles Programm. Am Ende stehende Ovationen. Das Zeitgeistensemble ist längst aus den Schuhen eines bloßen Schulchores hinausgewachsen. Mit dem neuen Programm „Kulturhauptpott“ lockten die jungen Sängerinnen und Sprecherinnen um den musikalischen Leiter Ulrich Kind am 4. Juli ein buntes Publikum aller Altersklassen in das ehemalige Magazingebäude der Zeche Lothringen in Bochum-Gerthe. Musikalische Unterstützung gab es durch den Liedermacher und „Mister Ruhrgebiet“ Frank Baier.

"Kulturhauptpott" begeisterte das Publikum<br>Stehende Ovationen im ausverkauften Kulturrat
Mal melancholisch, mal ernst, und mal auch mit derbem Humor schlugen die jungen Akteurinnen einen literarisch-musikalischen Bogen über 150 Jahre Ruhrgebiets-geschichte. Gleich zu Beginn zeigte die Gruppe mit dem Titel „Aus den Augen“ worum es ging: Der Kohlenpott ist Erinnerung, ist vergangene Kindheit, ist ein Rückblick auf die Zeit, als die Butterbrote nach Benzol rochen, die Väter an Staublunge litten und die Mütter noch hart rechnen mussten.
Doch es wurde kein nostalgischer Abend. Frank Baier erinnerte in seiner Vertonung eines Textes von Heinrich Kämpchen (1847 - 1912) an die Lohntage der vorigen Jahrhundertwende, die mehr den Mangel offenbarten, statt die Haushaltskasse füllten. Bedenkliche Paralellen gab es zwischen einem weiteren Text von Kämpchen über einen gestohlenen Mutterklotz (=Holzklotz zum Feuermachen) und einem aktuellen Zeitungsbericht über eine Sekretärin, der nach 35 Jahren Betriebszugehörigkeit wegen einer entwendeten Frikadelle fristlos gekündigt worden war.
Lachstürme erntete das Ensemble dagegen mit dem sozialdemokratischen „Gassenhauer“ „Brüder zur Sonne, zur Freiheit“, neu interpretiert mit Schampus und Federboa, passend zum aktuellen Zeitgeist einer 34,5 Prozent-Partei. Nach einem Rückblick auf die "Braunen Jahre" und einige Skandale der jüngeren Zeit lieferten Frank Baier und das Ensemble herrlich sarkastisch und dennoch mutmachend das neue Lied „Wunderbar“: "Ist dir das klar, ist das nicht wunderbar? Du kriegst alles zurück, egal, was es war."
Als am Ende die zwei Klassiker „Heiz das Feuer wieder an“ und „Wie tief kann man sehen“ über die Bühne gingen, war das Publikum nicht mehr zu halten. Zugabe über Zugabe wurde verlangt, mehr als die verbliebene Zeit in der Halle möglich machte.

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